Schwedischer Kaffee

Wer in Schweden lebt oder urlaubt macht wird auch immer wieder mit schwedischem Kaffee konfrontiert werden. Etwas das für viele „vom Kontinent“ sehr gewöhnungsbedürftig ist, ist etwas auf das Schweden sehr stolz sind. Und auch obwohl ich schon lange in Schweden wohne und arbeite, unzählige Male bei Bekannten ein Tässchen getrunken habe und in vielen Cafés den bereits seit drei Stunden dort vor sich hinbrutzelnden Filterkaffee geschlürft habe, kann ich mich einfach nicht an diesen Bauchsmerz-Kaffee gewöhnen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich trinke gerne und viel Kaffee, aber eben keinen der von einem Schweden gekocht wurde.

Lange war mir dieser schwedische Kaffee ein großes Rätsel, denn die meisten mit denen ich in den Jahren gesprochen habe berichteten, dass sie zwischen zwei und vier Tassen Kaffee pro Tag konsumierten – und da kamen meine Studienkollegen und ich doch locker drüber. Und trotzdem gelten Schweden (ebenso wie die restlichen Skandinavier) als Weltmeister im Kaffeeverbrauch. 2007 tranken die Schweden im Schnitt 157 Liter Kaffee, was etwa 3,5 Tassen pro Tag entspricht. In Deutschland werden hingegen etwa 4,8 kg pro Jahr konsumiert, welches knapp 2 Tassen pro Jahr entspricht.

Mich trieb dieses Rätsel lange umher. Wie kann es sein, dass jeder Nicht-Schwede den ich kennen mindestens fünf Tassen Kaffee pro Tag trinkt und die meisten meiner schwedischen bekannten kaum Kaffee oder (nach eigenen Angaben) drei oder vier Tassen Kaffee trinken. In der letzten Woche bin ich dann durch Zufall der Lösung des Geheimnisses ein wenig näher gekommen. So trug es nämlich zu, dass ich in eine meiner Kolleginnen die selbst nie Kaffee trinkt den Kaffee für die  tägliche fika-pauase kochte. Dieser Kaffee wurde nun sehr stark, so stark dass selbst die hartgesottensten im Team nach der Milch greifen mussten. Eine Diskussion über das richtige Verhältnis von Kaffeepulver und Wasser war also unumgänglich. Es stellte sich heraus, dass in Schweden ein 1:1 Verhältnis üblich ist. Auf 12 Tassen Kaffee kommen also 12 gut gehäufte Löffel Kaffeepulver. Manche meiner Kollegen machen sogar noch einen extra Löffel (für den Geschmack) hinzu. In meinem Familien- und Bekanntenkreis ist jedoch einVerhältnis von 1:2 üblich. Natürlich auch hier und dort mit dem kleinen Löffel Extrageschmack, aber grundsätzlich kommt in Deutschland auf die gleiche Menge Kaffeepulver sehr viel mehr Wasser.
Und damit ist dann ja auch klar, warum Schweden mehr Kaffeepulver verbrauchen und in allen Studien Weltmeister des Kaffeetrinkens verbucht werden. Ich verbleibe mit einem fröhlichen: traue keiner Studie die du nicht selbst gefälscht hast. 🙂

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